JESUS.CH - 19.05.2013, 12:03
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«Meine Klinik begann unter einem Baum»
Mit ganzem Namen heisst dieser Arzt Luka Deng. Doch hier in dieser Ortschaft im Gebiet von Aweil Ost nennen ihn alle «Dr. Luka». Aus Sicherheitsgründen bat Deng, den Namen des Ortes zu verschweigen. Zu oft schon warfen Bomber des brutalen Regimes ihre tödliche Fracht in dieser Region ab. Deshalb lebt Dr. Luka alleine hier, seine Familie blieb in London und damit in Sicherheit. Aufgewachsen im Südsudan, absolvierte er ein Medizinstudium in Kairo und liess sich später in England nieder. Heute ist er der einzige Arzt im Umkreis von 25 Kilometern. Wir sprachen mit dem «Lebensretter der Savanne» im heissen Schatten seines Hauses; vor Beginn der Regenzeit kletterte das Thermometer im Südsudan auf bis zu 54 Grad. Daniel Gerber: Dr. Luka, Sie haben zuerst in Kairo studiert und sind dann nach London gezogen. Jetzt leiten Sie hier eine Klinik... Das war der erste Schritt: Die Klinik begann unter einem Baum, keine 200 Meter von hier weg. Ich sass auf einer einfachen Bank hinter einem schmalen Tisch. Und wenn ich dort sass, war die Klinik offen.
Ja. Später bat ich CSI um ein Zelt. Sie brachten mir eines sowie einen Behandlungstisch für kleinere Operationen. So konnte ich während dem Tag die Medizin im Zelt haben, und abends packte ich sie in Kisten und transportierte sie per Fahrrad zu meiner Unterkunft. Im Jahr 2002 hatte ich dann mein erstes Lager und ein oder zwei Rundhütten, welche CSI finanzierte. So etablierte sich die Klinik langsam. Inzwischen arbeiten wir sogar an einem grösseren Gebäude mit Krankenzimmern und Operationsraum. Ich konnte einen Zaun um das Gelände bauen (um diverse Tiere abzuhalten; Anm. d. Red.). Die Menschen staunen, was auf diesem Stück Land alles aufgebaut wurde. Über Batterien erhalte ich hier sogar Licht. Und was ist Ihr nächster Schritt? Wie sieht die Zukunft der Klinik aus? Als zweites könnte die Klinik der Regierung übergeben werden, sobald hier Frieden einkehrt. Dann wären wir ein staatliches Spital. Die dritte Variante ist die schlimmste; ich mag sie gar nicht: Bei der würde das Spital zu meiner Privatklinik. Zur Zeit ist es mit den Finanzen und der gelieferten Medizin sehr eng. Aber wenn der Frieden kommt, sollte sich das ändern. Wenn ich mich an Freitag letzte Woche erinnere, da kamen 175 Patienten, verteilt auf einen Doktor und seinen medizinischen Assistenten ... Wir haben eine Menge Arbeit. Das war ein unmöglicher Tag, vor allem aus westlicher Sicht. Wenn man das dort erzählt, wird man es nicht glauben. Allerdings: Die einfachen Fälle benötigen ein bis zwei Minuten, dann sind wir fertig; die schwierigen Fälle bis zu 20 Minuten. Manche der einfachen Fälle übernimmt mein medizinischer Assistent. Wir wollen auch die Ausrüstung verbessern. Als nächstes will ich ein Mikroskop anschaffen, damit wir die Blutwerte analysieren können – der Schritt von der Klinik unter den Bäumen, zu einer mit einem Mikroskop ...
Die meisten haben Infektionen, die man sofort sieht. Es sind hier in der Region bekannte Krankheiten. Die Menschen benötigen eine Spritze oder Pillen. Bei den ganz grossen Fällen müssen die Menschen in ein grosses Spital gebracht werden. Das nächste liegt allerdings rund 90 Kilometer entfernt von hier. Viele Gegenden hier haben gar keinen Doktor. Hier in der Region bin ich neben einer Klinik der «Médecins sans Frontières» der einzige Arzt. Diese Klinik ist 25 Kilometer von hier weg und wird alle sechs Monate durch einen anderen Doktor besetzt. Wenn wir beide weg sind, sind rund drei Millionen Menschen ohne Arzt. Das wäre im Vergleich nicht ganz die Hälfte der Schweiz ohne Doktor. Ist der jeweilige Doktor von «Médecins sans Frontières» auch aus der Region? Lesen sie auch die Serie dazu: Webseite: www.csi-int.org |
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