Als Missionsleiter, der achtzehn Jahre in Burkina Faso gearbeitet hat, geht mir immer wieder die Frage durch den Kopf: Welche Menschen gehören in die Mission?
Seit einigen Jahren bin ich nebenamtlich in der Gemeindeleitung einer Freikirche tätig, die einen vollzeitlichen Pastor angestellt hat. Da mein Hauptamt zeitlich anspruchsvoll ist, leide ich teilweise darunter, dass ich so wenig Zeit habe, mich in die Gemeindearbeit – noch weniger in die Evangelisation meiner Nachbarn – zu geben. Trotzdem bin ich dankbar, dass ich neben meinem hauptberuflichen Einsatz für die Weltmission einen bescheidenen Beitrag in der örtlichen Gemeinde leisten darf.
Was ist wichtig?
Das Wichtigste scheint mir ein brennendes Herz für Gottes Sache zu sein. Es gibt Menschen, die ganz in einem säkularen Beruf stehen und trotzdem einen vollen Einsatz in ihrer Gemeinde und in ihrer Umgebung leisten. Sie haben oft eine solche Ausstrahlungskraft, dass ihre blosse Gegenwart Mitmenschen ermutigt. Auf der anderen Seite kann eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter vollzeitlich in einer Gemeinde- oder Missionsarbeit stehen und dabei allen Schwung verloren haben.
Braucht es noch Missionare?
Ich könnte Seiten füllen, um die Dringlichkeit und Notwendigkeit der Missionsarbeit darzulegen. Ich meine dabei nicht nur, dass wir Schweizer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in so genannte Missionsländer schicken sollen. Wir Schweizer brauchen ebenso Missionare – auch solche aus anderen Kontinenten. In einem Kurs über «Biblische Theologie der Mission» in Korntal schrieb ich eine Facharbeit zum Thema: «Der Einsatz von Missionaren aus Missionskirchen in Übersee in der Schweiz. Theologische Überlegungen – Erfahrungen – Fragen.» Mir wurde dabei neu bewusst, dass es schon länger Missionare aus verschiedenen Ländern in der Schweiz gibt. Ich befragte einige unter ihnen.
Ein nigerianischer Missionar in Zürich schrieb mir: «Ich bin mit dem OM-Schiff ‹Doulos› in viele Länder gereist, ich war auch in den USA als Missionar, aber die Schweiz hat sich als das bisher härteste Land gezeigt. Der Gott Mammon muss besiegt werden, bevor die Leute frei werden, Gott von ganzen Herzen anzubeten.» Ein solcher Kommentar stimmt nachdenklich!
Multikulturelle Teams
Es geht mir nicht darum, herauszufinden, welches das wichtigste Missionsland ist. Ich meine vielmehr, Christen aus der ganzen Welt sollten sich zusammentun, um die ganze Welt zu missionieren. In verschiedenen Missionswerken arbeitet man mittlerweile sehr stark mit multikulturellen Teams. Das ist herausfordernd! Überall dort, wo es einem solchen Team gelingt, harmonisch und in Liebe miteinander zu arbeiten, ist es ein beeindruckendes Zeugnis in einer Welt, die mehr von Hass und Trennung geprägt ist.
Meine wirkliche Motivation, mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen, bleibt das Wort Gottes. Versuchen Sie folgende Verse so zu lesen, als wenn Sie Jesus irgendwo in einer der heutigen Krisensituationen sehen würden: «Als er die vielen Menschen sah, die ihm nachliefen, hatte er grosses Mitleid mit ihnen. Sie waren hilflos und verängstigt, ohne Ziel und ohne Hoffnung. Sie waren wie Schafe ohne ihren Hirten.‹Die Ernte ist so gross, aber es gibt nur wenige Arbeiter›, sagte Jesus zu seinen Jüngern. ‹Bittet darum den Herrn, dass er noch mehr Arbeiter schickt, die seine Ernte einbringen!›» (Matthäus 9, Vers 36–38)
Kurz- oder Langzeiteinsatz?
In den meisten Pioniersituationen ist es unumgänglich, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben, die bereit sind, einige Jahre einzusetzen. Es kostet viel Zeit, nur um die Sprachen und Kultur eines Landes zu kennen. In afrikanischen Ländern etwa muss erst die ehemalige Kolonialsprache und zusätzlich eine einheimische Sprache gelernt werden. Erst dann öffnen sich die Herzen der Menschen, weil ihre wahre Kultur eigentlich nur über die Muttersprache erfasst werden kann.
Deshalb ist es auch wertvoll, Kurzzeiter zu haben, die bereit sind, die Langzeiter zu unterstützen. Ich denke da etwa an Baufachleute, Computerfachleute, medizinische Berufe oder Lehrer. Die Liste liesse sich beliebig erweitern. Diese jungen, manchmal auch älteren Kurzzeiter «schaufeln» die Langzeiter für ihre eigentlichen Dienste frei. Wir bieten auch Einsätze an, um jungen Leuten eine Gelegenheit zu geben, zu erleben, was Mitarbeit in der Mission bedeutet. Manche sind dadurch verändert in die Heimatgemeinde zurückgekehrt. Einige wurden später Langzeiter.
Zeltmacher
In vielen Ländern ist es heute nicht möglich, vollzeitlich in einem Gemeindebauprojekt zu arbeiten. Man muss durch eine säkular-anerkannte Arbeit, beispielsweise als Sprachlehrer, einen technischen oder medizinischen Beruf, als Geschäftsmann oder durch ein anerkanntes soziales Projekt ein Visum beantragen. Das bringt oft die Frustration mit sich, dass man nur wenig Zeit hat, um sich wirklich dem Gemeindebau zu widmen. Das bringt manche in eine Identitätskrise: Was bin ich nun wirklich? Nur in der tiefen Verbindung mit Gott kann man da durchhalten. Gott braucht aber auch diese Art des Dienstes. Es entstehen kleine Gruppen von Gläubigen, dort, wo man es kaum vermuten würde.
Ich bin überzeugt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im «Aussendienst» Gott über kürzere oder längere Zeit gedient haben, ihre Heimatgemeinde befruchten. Es lohnt sich, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu begleiten und sie ziehen zu lassen.