Emanuel Häsler (22) aus dem Zürcher Oberland gehört zum Team von „Jugend mit einer Mission“ in San Francisco. Er erzählte Jesus.ch, wie es dazu kam und was ihn fasziniert.
Jesus.ch: Emanuel, wie bist du nach San Francisco gekommen?
Emanuel Häsler: 2003 machte ich bei der christlichen Organisation „Jugend mit einer Mission“ (JMEM) in Chico im Norden Kaliforniens eine Lebensschule. Ich war mega beeindruckt von der Weise, wie die Leute da unkompliziert und irgendwie sorgenfrei mit Gott lebten. Sie waren mit dem Wenigen zufrieden, das sie hatten.
Doch der eigentliche Grund dafür, dass ich bei JMEM arbeite und lebe, war ein Eindruck am letzten Tag der Schule. Ich war am Beten und hatte das Gefühl, ich sollte die Leiterin der Schule nach einer Möglichkeit für einen kurzzeitigen Einsatz fragen. Ich traute ihr zu, dass Gott durch sie zu mir reden würde.
Sie erzählte mir von San Francisco. „Okay, Gott“, sagte ich, „ich werde darüber beten.“ Und er bestätigte das; ich hatte den Eindruck, er wolle mir sagen, ich sollte die Bibelschule (die mein Vorsatz war) vorläufig vergessen und mich für längere Zeit in San Francisco verpflichten.
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Geburtstagstorte: Auch er möchte sich freuen.
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San Francisco ist eine Stadt, von der viele träumen…
Träumen ist eines, da leben das Andere. Ich hatte ein Problem. Ich sagte zu Gott: „Du weisst, dass ich als einer, der vom Land kommt, nicht in der Stadt leben möchte. Wenn du willst, dass ich nach San Francisco gehe, mach bitte, dass es mir auf den ersten Blick gefällt.“
Nach der Schule reiste ich mit meinem Vater einige Wochen in Kalifornien umher. Am letzten Tag in San Francisco fuhren wir ins Quartier, wo sich die JMEM-Basis befindet. Ich war mega berührt und spürte den Wunsch, gleich dazubleiben. Doch es war niemand da, mit dem ich sprechen konnte. Zwei Wochen später besuchte ich die Basis für eineinhalb Tage und hatte gleich den Eindruck, dass ich einsteigen sollte.
Wie lange bist du nun dabei?
Seit August 2003 gehöre ich zum 19-köpfigen Team der Station in Downtown San Francisco. Die meisten sind US-Amerikaner. Um angenommen zu werden, musste ich mich für zwei Jahre verpflichten.
Als ich dazustiess, meinten sie, das Einleben würde ein Jahr dauern. Ich fand das lang, aber ich sehe jetzt, dass es diese Zeit brauchte, um das Hintergrundwissen über die Menschen, die wir betreuen, und das Umfeld zu bekommen.
Mit wem habt ihr es zu tun?
Wir kümmern uns vor allem um Arme in unserem Quartier. Wir bieten ihnen Raum für Gespräche, wir haben auch ein tägliches Programm mit Andacht, Frühstück, Duschen, Gebet, Liedern und Mittagessen.
Dann befassen wir uns mit 1'500 Jugendlichen, die pro Jahr nach San Francisco kommen, um zu lernen, wie man die Gute Nachricht von Jesus weitersagen kann.Wir haben eine Band, das dies mit Strassenauftritten tut, und eine Gruppe, die unter Prostituierten arbeitet. Wir haben Kontakt zu allen Bevölkerungsschichten, vor allem aber haben wir im Moment mit den Unterschichten zu tun.
Seit einigen Jahren haben wir nicht nur unser Quartier, sondern die ganze Stadt im Blick. JMEM hat Anfang 2002 in Hunter’s Point ein Haus gekauft, in einer Gegend, wo vor allem Afroamerikaner leben, auch Drogendealer und Prostituierte. Dort wollen wir uns mit den Kindern befassen und uns in ihre Kultur hineindenken.
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Die ‚Tagesgäste’ lesen und diskutieren miteinander die Bibel.
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Begonnen haben wir da mit einem Nachschulprogramm: Kinder, die zu Hause nicht oder ungenügend betreut werden, können am Nachmittag für zwei Stunden herkommen, bei uns spielen und mit unserer Hilfe Aufgaben lösen. Sie hören auch eine Andacht…
…sie hören brav zu, wenn ihr ihnen von Jesus erzählt?
Nicht immer. Aber wir sehen Veränderungen, auch bei schwierigen Kindern. Ein Beispiel: Daniel* geht in die sechste Klasse. Soviel ich weiss, ist er wegen seines flegelhaften Benehmens von fünf Schulen geflogen. Seit drei Jahren besucht er unsere Camps. Von Mal zu Mal besserte sich sein Verhalten, aber auch das letzte Mal mussten wir ihn zwischendurch heimschicken. Er ist sehr rebellisch.
Seine Mutter arbeitet im Sexgewerbe; er lebt bei der Grossmutter. Die zwei Brüder Daniels, die ich kenne, stammen von anderen Vätern. Alle kennen sie ihren Vater nur vom Sehen – da wundert mich Daniels Benehmen nicht. Und doch ist er mega anhänglich. Es macht grossen Spass mit ihm, auch wenn er Mühe hat, sich zu fügen.
*Name geändert
Fortsetzung folgt: Was Emanuel motiviert.
Webseite von JMEM in San Francisco: www.ywamsf.com
Webseite von JMEM in der Schweiz: www.jmem.ch