Lichtshows und Videoprojektionen machen Gottesdienst zu Multimedia-Spektakeln. Ein Trend aus Amerika schwappt über den Teich. Worum geht es? Wo liegen die Grenzen?
Es war einmal der gute alte Hellraum-Projektor. Man nannte ihn auch Overhead-Projektor, weil er sein Licht über die Köpfe hinweg strahlte. Ob die neuen Multimedia-Gottesdienst ebenfalls "über die Köpfe hinweg" beamen, steht noch offen. Tatsache ist, dass diese Art von Veranstaltung zunehmen wird.
Grenzen setzt nur das Gemeinde-Budget
Riesige Flachbildschirme, Licht- und Soundeffekte, eine computergesteuerte Beleuchtungsanlage, präzis geschaltete Clips zum jeweiligen Thema der Predigt, und die besten Special Effects anschliessend fürs Breitband-Streaming im Internet aufbereitet - zumindest in amerikanischen Gottesdienst hält diese Technik immer mehr Einzug. An der "National Broadcaster Association" (NAB 2006), der grössten Media-Konferenz der Welt konnten sich in diesem Frühjahr in Las Vegas besonders ehrgeizige Gemeindevertreter auf einer Sonderschau zu Kirchen-Technologien beraten lassen. Die Vorträge und Workshops reichten von "Frequenzstörungen und das Kirchen-Sound-System" bis hin zu "Gottesdienst-Software zum Ausbau der Multimedia-Präsentation".
Leichter dranbleiben dank Multimedia
Die Preise für Unterhaltungselektronik sinken. Proportional dazu scheinen die Erwartungen an diese Technik zu steigen. Der Kampf um Besucherzahlen wird immer mehr mit medialen Hightech-Waffen ausgefochten. Der Gottesdienst wird zum Spektakel. Ein Techniker von NAB 2006 beschwichtigt: "Tatsache ist, dass Multimedia es für die Leute einfacher macht, aufmerksam zu bleiben." Hersteller wie Hitachi, Sony oder Panasonic haben sich bereits auf diese neue Zielgruppe spezialisiert und halten ausgefeiltes Gerät bereit.
Die Zielgruppe ist klar: junge Menschen, deren Denk- und Lebensweise von Internet und MTV geprägt sind. Ein unterhaltsamer Rahmen, technisch auf der Höhe der Zeit, soll ihnen die Kirche und ihre Botschaft als ebenfalls wenig veraltet erscheinen lassen. Die Grenzen zwischen "Abholen" und Eindruckschinden sind fliessend.
Junge Leute sind auch skeptisch
In Österreich setzt vor allem das Jugendprojekt "find-fight-follow" auf zeitgemässe Technik. Lichtstimmungen, Videoeinspielungen und anderes sollen die mündlich vermittelten Inhalte unterstützen. Trägerin ist die Katholische Jugend der Erzdiözese Wien.
Die Reaktionen der jungen Leute in einem österreichischen Forum sind geteilt. Sie reichen vom Vorwurf billiger Anbiederung und Vereinnahmung bis hin zu "Kirchenkunst in neuem Gewand". Die grosse Herausforderung wird tatsächlich darin bestehen, von einem bunten Lichtgewitter weiterzuschreiten zu einem einfachen Anreden, Hören und Feiern. Der alte Prophet Elia vernahm Gottes Stimme weder im Feuer noch im Sturm, sondern in einem zarten Nebenton (1. Könige 19).
Quelle: ORF/Livenet