Christen treffen sich in ganz unterschiedlichen Kirchen und Gemeinden. Erleben sie dort Gottes Power auch ganz unterschiedlich? Berichte aus einer Chrischona-Gemeinde, einer Pfingstgemeinde und einer evangelischen Landeskirche.
Chrischona-Gemeinde
Es ist Sonntagmorgen, kurz vor 10.30 Uhr. Gleich beginnt der Gottesdienst. Im Eingangsbereich des Gottesdienstraumes stehen Menschen zusammen und reden miteinander. Etwas abseits steht eine Frau. Sie wirkt unsicher. Ich gehe auf sie zu, spreche sie an. Es stellt sich heraus, dass sie zum ersten Mal da ist. Auf meine Frage: "Wer hat Sie denn eingeladen?" antwortet sie: "Niemand! Ich habe in letzter Zeit die Kurzgeschichten und die Veranstaltungshinweise im öffentlichen Mitteilungsblatt gelesen. Das hat mich neugierig gemacht, und jetzt bin ich da!" Der Gottesdienst und die Atmosphäre sprechen sie an. Die Predigt geht ihr ins Herz. Sie kommt wieder und wieder - allein, bis sie eines Tages ihre Familie mitbringt.
In der Zwischenzeit hat die Frau eine Entscheidung für Jesus getroffen, ist in einem Hauskreis integriert, macht erste Erfahrungen in der Mitarbeit - und steht jetzt nicht mehr abseits im Eingangsbereich, sondern mittendrin!
Ich staune, was Gott mit seiner Kraft alles fertig bringt!
Adalbert Kanzinger
Evangelische Landeskirche
Nicht immer, aber immer wieder spüre ich, dass Gott in unserer Gemeinde kraftvoll wirkt. Gott ist da, begleitet und bewahrt, ermutigt und ermahnt. Gottes Kraft wirkt bei der Witwe, die nach dem frühen Tod ihres Mannes den Zugang zu Gott sucht, häufiger als früher im Gottesdienst sitzt und sich dem Wort von Gott aussetzt. Gottes Kraft wirkt beim Frühpensionär, der sich gegen ein Engagement in Amt und Würde entschieden hat, um sich voll für die Kirchgemeinde einzusetzen. Mit seinem Knowhow aus der Wirtschaft lässt er den bisher brach liegenden Bereich in der Gemeinde aufblühen. Gottes Kraft wirkt bei der Midlife-Frau, die erst über eine Krise das Gebet entdeckt. Damit zieht sie sanft auch ihren Mann und ihre Kinder in den Kreis der ernsthaften Christen. Gottes Kraft wirkt bei den Fitness-Frauen, die sich für ein längeres Zirkusprojekt engagieren und damit dem biblischen Thema vom "Unterwegs sein" moderne Gestalt verleihen - ehrenamtlich versteht sich!
Die Kraft von Gott wirkt immer - aber nicht immer kann ich sie sehen, spüren. Doch wenn Menschen sie bemerken, sich auf sie einlassen, dann verleiht sie Flügel. Dann geschehen Zeichen und Wunder, dann ist das Reich Gottes ganz nahe. Auch in der Landeskirche.
Christian Randegger
Pfingstgemeinde
Für mich ist das Erleben von Gottes Power nicht in erster Linie die Demonstration von grossen Zeichen und Wundern, sondern wenn Gott in Menschen sein neues Leben spriessen lässt. Dann bekomme ich Gänsehaut!
Ich erlebe bei uns Power Gottes, wenn plötzlich neue Gottesdienstbesucher mit einer grossen Sehnsucht nach einer gelebten Gottesbegegnung auftauchen. Wenn sie Fragen stellen, wie und durch was ihre Kinder vor der Hölle bewahrt bleiben. Wenn sie sich Monate lang damit befassen, ob die Bibel wirklich wahr ist. Wenn Menschen uns bitten, dass wir für sie um Heilung von einer Krankheit beten. Wenn es jemand wagt, am Arbeitsplatz aus seinem Leben mit Jesus weiterzuerzählen.
Es ist grossartig, wenn Gott uns Heilungswunder schenkt, aber es ist auch grossartig, wenn die Witwe eines jüngeren leitenden Mitarbeiters mit ihren Kindern nicht dem Selbstmitleid verfällt, sondern im Leben wieder voll Fuss fasst und sich aktiv an der Missionsarbeit der Gemeindebewegung beteiligt.
Unabhängig davon, wie viel Heilung geschehen mag, unabhängig auch davon, ob die jeweilige Person noch am Suchen und Bitten ist - wenn Menschen in ihrer Ohnmacht Gott aufsuchen, ist das für mich ein Beweis für Gottes Power unter uns.
Marek Kolman