Da sitze ich noch völlig zerknittert vor meinem Bildschirm, sehe knapp bis zur Fensterscheibe und ahne nichts Schlimmes. Mein Hirn ist immer noch daran, die wirren Gedankengänge meiner Träume zu sortieren. Unglaublich, was sich da alles während endlosen Nächten im Schlaf miteinander verbindet und dann wirr mein Unterbewusstes durchstreicht.
Einzelne Ereignisse bröckeln in kleinen Stücken wieder hervor und ich bin gerade dabei, alles zu verarbeiten und runterzuschlucken, als ich aus dem Augenwinkel einen schwarzen Punkt wahrnehme, der in einem sauberen Parabelflug auf mich zusteuert. Wenn das irgendein hinterlistiges Mückenvieh ist, das sich bereits vorsommerlich während der Nacht unbemerkt in meine Hütte geschlichen hat, schieb ich meine erste Insekten-Krise des Jahres. Doch bevor ich zu näheren Erkundungen aufbrechen und meinen Blick scharf stellen kann, knallts schon und die Pseudo-Mücke, welche im Bruchteil einer Sekunde auf die Rekordgrösse von 10 Zentimeter angeschwollen war, verschwindet.
Mein Hirn braucht für die Verarbeitung wieder mal deutlich länger, aber irgendwann spuckt es das erstaunliche Resultat aus: Da ist ein Vogel im Tiefflug über das herrliche Bündnerdorf Zizers gedonnert und hatte wahrscheinlich mit denselben Sichtproblemen am Morgen zu kämpfen wie ich. Wie anders ist es zu erklären, dass er einfach mein Haus übersehen hat?!
Für kurze Zeit standen wir uns Auge in Auge gegenüber; ich zerknittert, er flach gedrückt. Dann war er wieder weg. Nach einer kurzen Notlandung auf meinem Balkon. Vielleicht hat Jesus irgend sowas gemeint, als er sagte: "Habt ihr denn keine Augen, um zu sehen, und keine Ohren, um zu hören?" Gut möglich, dass wir in unserem Lebensflug an so manche geistige Scheibe klatschen, weil wir nicht bereit sind, zu sehen, dass Gott da auch noch ein paar Dinge in unser Leben hineingestellt hat.