„Ich will Spass, ich geb Gas!” Die Auswirkungen der Ego-Gesellschaft machen auch vor der christlichen Gemeinde nicht halt. Immer mehr Christen setzen auf Bequemlichkeit und Egoismus, statt auf hingegebene Nachfolge und Dienst. Bestärkt von einer oft einseitigen Weichspüler-Theologie: ,,Gott liebt dich und kümmert sich um dich!" Sicher, doch das ist nur die eine Seite der Medaille.
Jesus sieht unser Leben anders und erzählt von einem Geschäftsmann, der alles verkaufte, um eine einzige Perle zu erwerben. Das ist ein hartes Geschäft. Wer als Christ leben will, muss zu vielen Dingen Nein sagen.
Christen gehören an die „Front” und nicht in den Fernsehsessel, damit ihre Mitmenschen zu Gott zurückfinden. Dazu sind sie berufen. Es ist falsch, lediglich zu sagen: „Komm zu Gott, dann hast du es schön!” Jesus lädt seine Nachfolger zu etwas anderem ein. Er sagt: „Ich will dich für meine guten Absichten einsetzen. Ich habe dich für meine grossartigen Ziele mit der Menschheit eingeplant. Und das gibt deinem Leben wirklichen Wert.”
Wofür leben Sie?
Jeder Mensch braucht Ziele, für die er sich begeistert, einsetzt und an denen er festhält. Ziele geben dem Leben Sinn, beflügeln und treiben voran. Was würden Sie gerne verwirklicht sehen? Wenn Sie ein solches Ziel haben, wissen Sie sicherlich auch, dass es Hindernisse gibt. Wer zu einer Sache Ja sagt, muss zu allem Nein sagen, das ihn hindert, dieses Ziel zu erreichen. Der Sportler zum Beispiel trainiert für den Sieg, und er verzichtet auf alles, was ihn lähmen könnte: Ungesundes Essen, Ballast, unnötiges Gepäck. Er weiss: Verzicht ist die Kehrseite des Sieges.
Nein sagen
Das gilt auch für Christen: Wer Jesus nachfolgen will, muss lernen, Nein zu sagen. Nein zu allem, was Gott nicht will. Nein zu allem, was den Glauben schwächt und nach faulem Kompromiss riecht. Nein zu Bequemlichkeit, Unehrlichkeit und Halbherzigkeit. „Ja, aber wenn ich so radikal bin, dann habe ich doch nicht mehr viel vom Leben!”, wendet mancher ein. Falsch! Was wirklich langweilt, ist ein Leben als Christ ohne Radikalität. Kompromisse hindern Christen daran, vorwärts zukommen. Die Bibel gibt diesen kleinen Abweichungen vom geraden Weg einen altmodischen Namen: Sünde. Sünde trennt von Gott. Sie schwächt uns und verhindert, dass unser Leben mit Jesus für andere „ansteckend” wird. Unehrlichkeit, Selbstsucht und Selbstbezogenheit fallen darunter – aber auch, der Gemeinschaft mit Gott auszuweichen und die Zeit mit Nebensächlichkeiten zu vertun. Langsam, aber sicher saugt solch ein Lebensstil alle Kraft aus einem Menschen, der eigentlich zur Nachfolge berufen ist.
„Jetzt will ich das!“
Auch unsere natürliche Bequemlichkeit kann Nachfolge behindern. Der Körper verlangt, dass der ganze Mensch sich ausschliesslich nach seinen Bedürfnissen richtet: „Jetzt bin ich müde. Jetzt muss ich etwas essen. Jetzt brauche ich Abwechslung. ” Wenn ein Mensch immer darauf eingeht, wird er zum Sklaven seines Körpers: Zum Sklaven der Müdigkeit, der Esssucht oder was auch immer. Der Apostel Paulus liess das nicht zu. Er schrieb: „Ich weiss genau, wofür ich kämpfe, ich laufe nicht irgendeinem ungewissen Ziel entgegen. Wenn ich kämpfe, geht mein Schlag nicht ins Leere. Ich setze mich für diesen Sieg ganz ein und nehme keine Rücksicht auf meinen Körper. Er muss sich meinem Willen fügen” (Die Bibel, 1. Korinther 9,26-27). Es ging ihm auch um seine Glaubwürdigkeit. Er wollte nicht anderen etwas predigen, das er selbst nicht lebte.
Die Radikalität von Jesus
Auch Jesus ist an dieser Stelle ein leuchtendes Vorbild. Er hatte ein klares Ziel: Durch seinen Tod würde er Menschen erlösen können. Das wusste er und sagte Ja dazu. Doch fiel ihm seine Aufgabe deshalb leicht? Einmal vertraute er seinen engsten Freunden an: „In Jerusalem werden mich die Führer des Volkes, die Hohenpriester und Schriftgelehrten foltern und töten. Aber drei Tage später werde ich auferstehen und leben.” Erschrocken nahm Petrus ihn zur Seite und bestürmte ihn: „Um Himmels willen, so etwas darf dir nicht zustossen.” Jesus freute sich nicht über das Mitleid von Petrus, sondern antwortete: „Geh weg, Satan! Du willst mir eine Falle stellen.” Auch Jesus hörte das verlockende Säuseln des Kompromisses. Doch Jesus sagte Nein. Später kam der letzte Abend vor seiner Kreuzigung. Wieder musste er sich zu einem Ja durchringen. Er betete: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe” (Die Bibel, Lukas 22,42)! Er kämpfte so heftig, dass ihm der Schweiss wie Blut von der Stirn tropfte. Aber innerlich spürte er: „Nein, ich muss diesen Weg gehen!” Er war gehorsam, diszipliniert, hingegeben, radikal - bis zum letzten.
Es lohnt sich
Wenn ein Mensch Christ wird, nimmt er Jesus in sein Herz auf. Christen sind nicht auf sich allein gestellt. Jesus hilft ihnen dabei, ein kompromissloses Leben zu führen. Wir können für Gott leben, auch wenn es manchmal ein bisschen wehtut und etwas kostet. Und genau das müssen wir in unserer Kultur und als Christen lernen: Wir können die Disziplinlosigkeit in den Griff bekommen! So gewinnt das Leben als Christ eine ganz neue Qualität. Auch wenn dieses Leben nicht nur aus Spass besteht – am Ende sind die am glücklichsten, die die Beliebigkeit über Bord geworfen haben. Vor allem Christen werden sich freuen - denn es lohnt sich, Christ zu sein. Es lohnt sich, diesem grossen Ziel zu folgen. Es lohnt sich, Nein zu vielem zu sagen, wenn man einmal Ja zu Jesus gesagt hat.
Autor: Wolfram Kopfermann (67), verheiratet, 2 Kinder ist Pastor der Anskar-Kirche in Hamburg.